Tafel 6 - Heinrichshöhe

Auslugsziel der Vergangenheit

Ein Rückblick ins 19. Jahrhundert: Die Aussicht ins Tal ist offen, wir schauen über grüne Weinberge und Streuobstwiesen, die prächtige Stadt im Vordergrund - im Hintergrund bahnt sich die mäandernde Kinzig ihren Weg durch das Kinzigtal, das sich in Richtung Westen immer weiter öffnet.

Der Aussichtsturm auf der Heinrichshöhe war aus Holz gefertigt und wurde später aufgrund von Witterungsschäden wieder abgetragen. Der Aussichtsturm auf der Heinrichshöhe war aus Holz gefertigt und wurde später aufgrund von Witterungsschäden wieder abgetragen.

Der Aussichtsturm auf der Heinrichshöhe war aus Holz gefertigt und wurde später aufgrund
von Witterungsschäden wieder abgetragen.

Anzeige zur Übergabe des Turms auf der HeinrichshöheDieser Ort, die „Heinrichshöhe", wurde einem bedeutenden Gelnhäuser gewidmet: Johann Heinrich Cassebeer (*1784 in Gelnhausen; †1850 in Bieber) war Botaniker und Geologe sowie Landwirtschafts- und Weinbaufachmann, Politiker und bekannter Naturwissenschaftler, Bürgermeister und Apotheker in Gelnhausen. Seine Forschungen und die daraus gezogenen Erkenntnisse steigerten die Ernteerträge im Wein- und Obstbau.

Die Umgebungskarte aus einem Stadtführer der Zeit um 1900 (rechts) erlaubt einen schönen Überblick auf die Gelnhäuser Altstadt und das darüber liegende Auslugsgebiet. Ausgangspunkt ist das Äußere Holztor, wo der Hohlweg Dürich beginnt. Die Godobertuskapelle wurde damals Gelakapelle genannt. Gut sichtbar sind auch die damals noch bestehenden Weinlagen, die heute teilweise bebaut und teilweise zugewachsen sind. Ganz rechts sieht man die unter der Heinrichshöhe eingetieften Steinbrüche.

 Die 1582 gegründete Einhorn-Apotheke hatte Johann Heinrich Cassebeer 1806 von seinem Vater übernommen.Früh erkannte er den Niedergang des Weinbaus in Gelnhausen und brachte Ideen zur Umnutzung der Weinbergsflächen ein. Unter anderem initiierte er die Pflanzung von Edelkastanien hier und am Wartturm oberhalb von Roth, um deren Früchte für die Bevölkerung nutzbar zu machen. Es war naheliegend, dass dieses beschauliche Plätzchen Auslugsziel wird - daher erbaute Johannes Höhner (*1862 in Frankfurt; †1945 in Gelnhausen), Unternehmer aus Frankfurt und stark verbunden mit Gelnhausen, an dieser Stelle auf städtischem Gelände auf eigene Kosten die „Heinrichshöhe" als Andenken an Johann Heinrich Cassebeer.

 

An der Heinrichshöhe hingen die Würste beim Schulauslug in den Bäumen.Als Ausflugsziel diente die mit Esskastanien bewaldete Heinrichshöhe schon längere Zeit vor Entstehung der Turmanlage. Mit dem Aussichtsturm, auch „Johannisturm" genannt, wollte Johannes Höhner den ab 1900 in Gelnhausen wachsenden Tourismus fördern. Für den Preis von einer Mark pro Jahr pachtete Höhner die Fläche auf Lebenszeit von der Stadt Gelnhausen. Das Bauholz für den Turm wurde Höhner kostenlos zur Verfügung gestellt, vor Ort geschlagen und verarbeitet. In Verbindung mit dem Turmbau wurde auch das Gelände um den Turm im Auftrag von Höhner neu angelegt und terrassiert.

Durch den Verkehrsverein wurde die Anlage mit Turmweihe und Konzert am 14. Juni 1914 unter großer Beteiligung der Bevölkerung sowie zahlreicher Musik- und Gesangsdarbietungen feierlich eröffnet.

Sackhüpfen war ein fester Bestandteil der Waldpartien. Sackhüpfen war ein fester Bestandteil der Waldpartien.

Sackhüpfen war ein fester Bestandteil der Waldpartien
- links 1955 auf der Heinrichshöhe, rechts 1968 auf dem Schulfestplatz.

Gelnhäuser Vereine nutzten ab dem Eröffnungsjahr die Anlage zur Ausrichtung von Waldpartien. Freiwillige Feuerwehr, Gesangverein „Sängerlust" und der Gesangverein Gelnhausen waren nur einige Vereine, die hier zur Waldpartie einluden. Im Verlauf der Zeit entwickelte sich die Heinrichshöhe so zu einem beliebten Veranstaltungsort für die Gelnhäuser Waldpartien. Im Jahre 1936 wurde der Turm wegen Baufälligkeit abgetragen. Auf den Terrassen und dem Fundamentsockel der Heinrichshöhe fanden noch bis in die 1970er Jahre Waldpartien statt.

Nach dem 2. Weltkrieg war ein Ausblick vom Fundament des Aussichtsturms noch möglich. Heute (2014) kann man nur noch im Winter auf die Stadt blicken. Nach dem 2. Weltkrieg war ein Ausblick vom Fundament des Aussichtsturms noch möglich. Heute (2014) kann man nur noch im Winter auf die Stadt blicken.

Nach dem 2. Weltkrieg war ein Ausblick vom Fundament des Aussichtsturms noch möglich.
Heute (2014) kann man nur noch im Winter auf die Stadt blicken.

English

19th century: Our view is of the valley, vineyards and orchards, the magniicent town in the foreground and the meandering Kinzig in the background. The river opens out towards the west. This place was dedicated to a signiicant citizen of Gelnhausen: Johann Heinrich Cassebeer (*1784 in Gelnhausen, †1850 in Bieber), botanist and geologist, specialist in agriculture and viticulture, politician and well-known scientist, mayor and pharmacist in Gelnhausen. His research and the resulting conclusions increased crop yields in the vineyards and orchards. Early on, aware of the decline of viticulture in Gelnhausen, he introduced ideas for the redevelopment of the vineyard areas. Among other things, he initiated the planting of sweet chestnuts here and around the watchtower towards Roth to make their fruits available to the population. At this point the Heinrichshöhe (Heinrich's Heights) commemorates Johann Heinrich Cassebeer. Between 1914 and 1936 a wooden look-out tower stood here.


Francais

Au 19e siècle: à travers vignobles et vergers, au premier plan la ville, en arrière-plan la rivière de la Kinzig Cet endroit fut consacré à un habitant important de Gelnhausen: Johann Heinrich Cassebeer (1784-1850). Biologiste et géologue, spécialiste d'agriculture et de viticulture, ce scientiique et pharmacien renommé fut aussi politicien et maire de la ville. Reconnaissant très tôt le déclin de la viticulture, il favorisa le remplacement des vignes par des châtaigniers. Cet endroit devint vite un but de promenade où Johannes Höhner (1862-1945), entrepreneur de Francfort it bâtir la «Heinrichshöhe». Favorisant un essor touristique naissant à Gelnhausen, ce belvédère fut béni le 14 juin 1914. La tour, alors délabrée, fut démolie en 1939 ne laissant que les terrasses et les fondations. De nombreuses associations y organisèrent encore des fêtes jusque dans les années 1970.


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© Archäologisches Spessart-Projekt e.V. Der Kulturweg Gelnhausen 4 wurde realisiert im Rahmen des Projekts «Pathways to Cultural Landscapes» mit Unterstützung der AG Kulturweg, Erich Krebs, Dora Georges, May Gieshoff, Daniel Glöckner, Michael Heininger, Trautel Kraehe, Jürgen Steigerwald, Betriebshof-Team Stadt Gelnhausen, Evangelische Marienkirchengemeinde, Hessen Forst, Medien- und Selbstlernzentrum Main-Kinzig, Stadtarchiv Gelnhausen, Verkehrsverein Gelnhausen e.V, Zentrum für Regionalgeschichte MKK, sowie von
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