Heimatmuseum Gelnhausen

Geschichte des Heimatmuseums

Der Heimatforscher Johann Lorenz Kreuter veröffentlicht am 24.7.1909 im Gelnhäuser Kreisblatt einen Aufruf zur Errichtung eines Heimatmuseums in Gelnhausen.

Johann Lorenz Kreuter (1864 – 1937), Foto von Karl-Heinz Hill (Stadtarchiv Gelnhausen)

Auf Vorschlag des 1. Vorsitzenden des Geschichtsvereins, des Kaufmanns Heinrich Philipp Stock, und auf Beschluss des Vorstands vom 15.8.1909 werden in Räumen des Arnsburger Hofs, die Stock zur Verfügung stellt, Sammlungen aus dem Besitz von Vereinsmitgliedern ausgestellt und weiter ergänzt.

Ein Plan von 1913, das gotische Fachwerkhaus Kuhgasse 1 für die Einrichtung eines Museums zu erwerben, scheitert daran, dass man für die Besitzerin Fräulein Karoline Herget keine geeignete Wohnung findet.

Bald nach Kriegsende 1918 bemüht sich der Verein um eine Sondersammlung zu Philipp Reis. Hierbei sind das Vorstandsmitglied Professor Dr. August Hahn und die Schwiegertochter des Erfinders, Frau Marie Reis, geb. Müller in Friedrichsdorf, sehr erfolgreich.

Der Symeren, erstmals 1305 erwähnt, in einem Foto von Ludwig Bickell 1897. (Archiv des Geschichtsvereins Gelnhausen e.V.)Zur Unterbringung der ständig wachsenden Museumsbestände mietet der Geschichtsverein am 15.10.1927 (nach anderer Quelle im Oktober 1929) das untere Stockwerk des Hauses Symeren, Ecke Holzgasse / Obermarkt, von dem damaligen Eigentümer August Abig.

Bei der Philipp-Reis-Feier am 26.10.1931 aus Anlass des 70-jährigen Jubiläums der Erfindung des Telefons wird im unteren Stockwerk des Casino-Gebäudes die gesamte Philipp-Reis-Sammlung der Öffentlichkeit gezeigt.

Unter dem Druck der NSDAP, die den Geschichtsverein gern auflösen möchte, ergibt sich eine Aufgabenteilung mit dem Magistrat der Stadt. Er stellt 1932 dem Verein im stadteigenen Gebäude des alten Landratsamts (Stadtschreiberei 8) zunächst 4, dann 6 Räume zur Verfügung. Zum 100. Geburtstag von Philipp Reis am 7.1.1934 wird dort das Heimatmuseum für Stadt und Kreis Gelnhausen eröffnet. Dazu stellt der Geschichtsverein seine gesamten Sammlungen zur Verfügung und setzt die personelle Betreuung des Museums weiter fort.

Stadtschreiberei 8 war von 1821 bis 1906 das erste Landratsamt in Gelnhausen. Foto von Max Halm. (Stadtarchiv Gelnhausen)

Der Magistrat und der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde als Eigentümer des Romanischen Hauses schließen einen Vertrag über die Vermietung des Gebäudes ab. Am 1.8.1937 wird dort das Heimatmuseum neu eröffnet. Keine geringe Arbeit ist, das reichhaltige Museumsgut in den neuen Räumen unterzubringen, aber dank sachverständiger Mitglieder kann die Aufgabe mustergültig gelöst werden. Die Betreuung des Museums liegt nach wie vor bis zum Ende des 2. Weltkriegs bei Vereinsmitgliedern, die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement große Verdienste erwerben.

Durch Artilleriebeschuss am 30.3.1945 ist auch das Romanische Haus stark beschädigt, so dass das Museum geschlossen bleiben muss. Nach Beseitigung der Schäden wird es durch Vertreter des Kreisausschusses und des Magistrates am 22.9.1946 (nach anderer Quelle am 25.7.1946) wieder eröffnet. Von nun an übernehmen städtische Bedienstete die Verwaltung des Museums und auch der damit verbundenen Bibliothek.

Romanisches Haus vor 1956. (Archiv der Kreissparkasse Gelnhausen)

Als Anerkennung für die Mitwirkung des Geschichtsvereins Gelnhausen um die Philipp-Reis-Forschung übergibt das Bundespostministerium 1953 einen neuen Ausstellungsschrank und vier Pulttische mit der Nachbildung von Geräten des Philipp Reis.

Wegen Eigenbedarfs der evangelischen Kirchengemeinde muss am 30.6.1954 das Romanische Haus geräumt werden. Für die Öffentlichkeit unzugänglich wird das Museumsgut an verschiedenen Stellen ausgelagert, z.B. im Rathausgebäude, in der Godobertuskapelle, in der Philipp-Reis-Schule.

Erst nach 10 Jahren bewegt sich etwas: Im Haus Kirchgasse 2 werden von der Stadt vier Räume für das Heimatmuseum zur Verfügung gestellt. Ein großer Raum soll den beiden großen Söhnen der Stadt, Grimmelshausen und Reis, gewidmet sein. Ein zweiter Raum ist für die Stadtgeschichte vorgesehen. Ein weiteres Zimmer soll die prähistorischen Funde sowie die archäologische Sammlung von Gerd Mende aufnehmen. Ein weiterer Raum wird für Wechselausstellungen bereitgehalten. Die Eröffnung erfolgt eine Woche vor dem Schelmenmarkt 1964. Um das Museum auch an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr öffnen zu können, wird ein Dienstplan über die ehrenamtliche Aufsicht durch Vereinsmitglieder erstellt.

Kirchgasse 2. Heute lagert in der ehemaligen landwirtschaftlichen Winterschule ein Teil des nicht ausgestellten Museumsbestandes. (Foto: Volprecht Kalbfleisch)

1980 berichtet der 1. Vorsitzende Professor Kockelkorn über die bisherige Arbeit zur Bestandsaufnahme im Heimatmuseum. Häufiger Wechsel der Mitarbeiter habe nicht zu einer geordneten Inventarisierung geführt. Zudem reiche der Platz nicht zur Bearbeitung einer planmäßigen Bestandsaufnahme aus. Unklar sei, wo das Heimatmuseum eines Tages untergebracht werden soll.

Die städtischen Gremien beschließen 1981, die leerstehende Augustaschule als Stätte der Kultur der Öffentlichkeit dadurch zugänglich zu machen, dass Heimatmuseum, Stadtarchiv, Bibliothek und Verkehrsamt (heute: Tourist Information) in dem Gebäude eingerichtet werden sollen.

Die Augustaschule ist seit 1989 Standort des Heimatmuseums. (Foto: Volprecht Kalbfleisch)

Am 10.2.1989 wird das Heimatmuseum mit einer neuen Dauerausstellung eröffnet. Die recht kleine Ausstellungsfläche erlaubt nur, einen relativ geringen Teil des wertvollen Bestandes unterzubringen. Jährlich sollen  zwei thematisch und zeitlich begrenzte Sonderausstellungen in der sogenannten Galerie im Erdgeschoss der Augustaschule stattfinden. Wegen Platzbedarfs der Verwaltung steht dieser Raum inzwischen nicht mehr zur Verfügung.

Eine im Mai 2009 geschlossene Vereinbarung zwischen dem Mgistrat und dem Geschichtsverein sieht vor, dass der Geschichtsverein in ehrenamtlicher Arbeit die Pflege und die Inventarisierung des Bestandes sowie weitere Tätigkeiten wie die Organisation von Wechselausstellungen übernimmt.

Zum Jahresende 2009 wird die Ausstellung in der Augustaschule abgebaut, um eine grundlegende Neugestaltung zu ermöglichen.